• Sandra

Die Kunst, sich neu zu erfinden, mit Elodie

In der französischen Community Berlins ist Elodie ziemlich bekannt: ihre Website Good Morning Berlin ist in der Tat eine Referenz für viele. Aber das ist noch nicht alles! Elodie leitet mehrere Projekte, die ihr am Herzen liegen. Vor allem beherrscht sie die Kunst, sich in schwierigen Zeiten neu zu erfinden. Mein Gespräch mit dieser Französin, die ich nur wenig kannte, erwies sich als sehr spannend. Ihre Stärke und ihre Kreativität haben mich berührt und inspiriert. Lasst uns also ohne weitere Verzögerung ihren Weg entdecken und uns inspirieren!


Foto von ©Magali F. Fouquet


Sandra: Kannst du uns kurz beschreiben, was du vor der COVID-Krise beruflich gemacht hast und in welchem Bereich du dich neu orientiert hast?

Elodie: Ich habe 2010 die Website goodmorningberlin.com ins Leben gerufen und in den letzten 8 Jahren war sie mein Schaufenster für viele touristische und Event-Aktivitäten, die ich französischsprechenden Menschen in Berlin anbiete: Führungen, Organisation von Aufenthalten und Events für Firmen, Location Scouting für Dreharbeiten...


Seit dem Sommer 2020 bilde ich mich im Bereich Online-Content-Management und -Strategie weiter. Ich hatte bereits einige Vorkenntnisse, da ich seit mehr als 10 Jahren das Schreiben von Artikeln, die auf meiner Website veröffentlicht werden, und deren SEO verwaltet habe. Aber ich hatte nie die Zeit, tiefer in dieses Gebiet einzusteigen. Es war der richtige Zeitpunkt, mich es zu widmen und die Fähigkeiten, die ich in diesen Jahren erworben hatte, weiterzuentwickeln.


S.: Deine freiberufliche Tätigkeit wurde von der Krise besonders betroffen. Du hast es jedoch geschafft, dich in vielerlei Hinsicht neue Projekte zu entwickeln, insbesondere mit Cyclolivre und deiner beruflichen Neuorientierung. Kannst du uns erklären, wie du auf diese Ideen gekommen bist und was dir bei der Umsetzung motiviert hat?

E.: Die Krise kam sehr plötzlich. In einer Woche wurden Dutzende von Reservierungen für Besuche und Aufenthalte storniert, und in den folgenden Wochen blieb mein E-Mail-Postfach leer. Ich geriet in Panik und versuchte sofort, einen Job zu finden, auch wenn es in Bereichen war, die ich nicht mochte, und in einer Festanstellung, die nicht für mich war. Dann trat ich einen Schritt zurück und sagte mir, dass ich noch ein wenig warten könnte, bevor ich mich in den ersten Job stürze, der sich mir anbietet.


Ich wollte eine neue Aktivität aufbauen. Da ich im ersten Lockdown viel laß und auch viel Fahrrad fuhr, wollte ich diese beiden Bereichen, die mir sehr viel Spaß machen, in einem Projekt namens Le Cyclolivre de Berlin verbinden. Es richtet sich an die französischsprachige Community in Berlin, die ich insbesondere dan meiner Website gut kenne. Das Prinzip ist der Austausch von französischen Büchern, die von mir mit dem Fahrrad geliefert werden. Dank dieser Aktivität habe ich sehr nette Leute kennengelernt, meine Bibliothek erweitert und etwas Sport getrieben. Aber davon konnte ich nicht leben und wegen der langfristig einsetzenden Pandemie suchte ich nach einer anderen Tätigkeit, die ich freiberuflich ausüben könnte. Zuerst interessierte ich mich für Redakteurin von Web-Content, aber ich hatte das Gefühl, dass ich die strategische Seite doch interessanter fand. Also habe ich mich online weitergebildet und kostenlos an verschiedenen Projekten mitgearbeitet, um erste Erfahrungen zu sammeln. Seit Januar 2021 habe ich mehrere sehr interessante Projekte erfolgreich abgeschlossen. Ich bin sehr glücklich mit diesem Berufswechsel, auch wenn ich idealerweise weiterhin im Tourismus tätig sein möchte, wenn es wieder möglich wird, und somit diese beide Aktivitäten freiberuflich ausüben könnte.


S.: In einem unserer Gespräche hast du mir erklärt, wie wichtig es für dich ist, als Freiberuflerin zu arbeiten. Woher wusstest du, dass diese Art von Arbeit für dich das Passende ist?

E.: Abgesehen von einer angestellten Erfahrung, bei der ich mich wohl gefühlt habe, war ich mit den anderen nicht zufrieden. Am Längsten bin ich ein Jahr in der gleichen Firma geblieben. Irgendetwas stimmte jedes Mal nicht. Ich war frustriert, so wenig Urlaubstage, viele Termine, die Routine zu haben... Da meine Website, die damals nur ein Blog war, immer mehr Traffic anzog, beschloss ich, ungewöhnliche Stadtsführungen anzubieten. Ich hatte das Glück, mit diesem Angebot sofort sehr erfolgreich zu sein. Nach einem schwierigen Jahr, in dem ich in einer Festanstellung teilzeit gearbeitet habe, begann ich als Vollzeit-Freelancer zu arbeiten. Ich merkte, dass ich mich ohne Hierarchie und Manager viel wohler fühlte. Ich habe ein Selbstvertrauen entdeckt, das ich als Angestellte nicht hatte. Ich schätze besonders meine Freiheit und die Abwesenheit von Routine, obwohl ich mit meiner Tätigkeit im Tourismus jeden Tag arbeitete, auch als ich "Urlaub" hatte.


S.: Was würdest du anderen empfehlen, die gerne den Job wechseln oder sich ein Projekt oder eine Leidenschaft widmen möchten, sich aber nicht traut, den Schritt zu wagen?

E.: Ich würde auf jeden Fall empfehlen, den Schritt zu wagen, denn ich denke, man sollte keine Zeit und Energie in einer Tätigkeit verschwenden, bei der man sich frustriert fühlt oder sich langweilt. Wenn ihr euch dazu entscheidet, euren Job zu kündigen und ein eigenes Unternehmen zu gründen, finde ich es wichtig, mindestens ein oder zwei Jahre lang Geld beiseite zu legen, damit die Anfangszeit weniger stressig ist. Und wenn es am Ende nicht klappt, lernt man aus der Erfahrung eine Menge und gewinnt an Selbstvertrauen. Die Finanzkrise von 2008 begann, als ich mein Studium beendete, somit meine Karriere mit einer Phase der Arbeitslosigkeit begann und dazu einen Studentenkredit zurückzahlen musste. Die erste Firma, für die ich arbeitete, ist Pleite gegangen. Und die Corona-Krise hat mein Tourismusgeschäft, was sehr gut lief, zunichte gemacht. Diese Erfahrungen sind schwierig, aber sie ermöglichen es uns, etwas Abstand zu gewinnen und die Angst vor einem Neuanfang zu verringern.

Um mehr über Élodie und ihre Projekte zu erfahren:

www.goodmorningberlin.com/

www.malt.fr/profile/elodiebenchereau

www.linkedin.com/in/elodie-benchereau-berlin

www.le-cyclolivre-de-berlin.fr